Eine gemeinsame Stromregion, die Schleswig-Holstein, Hamburg und Westdänemark umfasst, könnte maßgeblich dazu beitragen, die Kosten der Energiewende in Deutschland zu senken und die industrielle Wertschöpfung zu stärken. Eine am Mittwoch vorgestellte Untersuchung des Fraunhofer-Instituts für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik (IEE) belegt, dass eine solche als Nordic Twin Sea Zone bezeichnete Region die Versorgungssicherheit erhöhen und öffentliche Haushalte entlasten kann. Die Initiative für das Forschungsprojekt ging von der IHK Schleswig-Holstein und der schleswig-holsteinischen Landesregierung aus.
Optimierung des Marktdesigns und der Wasserstoffproduktion
Das aktuelle deutsche Strommarktdesign führt laut der Analyse zu verzerrten Preissignalen, da es Knappheit und Überfluss teils ineffizient abbildet. Durch ein regional angepasstes Preiszonenmodell könnten Elektrolyseure für grünen Wasserstoff wirtschaftlicher betrieben werden. Die Studie prognostiziert, dass in der untersuchten Stromregion grüner Wasserstoff zu Zielkosten von drei bis fünf Euro pro Kilogramm produziert werden könnte. Damit ließe sich ein entscheidender Beitrag zur Dekarbonisierung der Industrie leisten.
Vergleich mit alternativen Ausbauszenarien
Erstmals vergleicht das Fraunhofer IEE die Auswirkungen eines zusätzlichen Ausbaus von einem Gigawatt (GW) Elektrolyseleistung an verschiedenen Standorten. Demnach steigt der deutsche Strompreis bei einem Ausbau von 1 GW Elektrolyse in Österreich um etwa 0,60 Euro pro Megawattstunde (MWh), bei einer Anlage in Dänemark um rund 0,50 Euro pro MWh. Innerhalb der vorgeschlagenen Nordic Twin Sea Zone liegt dieser Anstieg hingegen bei lediglich 0,20 Euro pro MWh. Die Studie verdeutlicht somit, dass die räumliche Abstimmung von erneuerbarer Stromerzeugung und flexibler Nachfrage den Systemnutzen deutlich erhöht und die Abregelung erneuerbarer Energien minimieren kann.
Politische Einordnung
Vertreter aus Politik und Wirtschaft betonen die Notwendigkeit, das europäische Strommarktdesign und den Wasserstoffhochlauf enger miteinander zu verknüpfen. Eine effizientere Nutzung regionaler Standortvorteile könnte den industrieschweren Süden Deutschlands langfristig mit günstigerem und sicherem Wasserstoff versorgen. Der Vorschlag für das neue Stromzonenmodell unterstreicht den Anspruch der Region, als Vorreiter für eine marktorientierte Energiewende zu agieren und die Integration erneuerbarer Energien in den nationalen Markt zu verbessern.
