Indorama Ventures setzt auf Nachhaltigkeit als zentrale Unternehmensstrategie
Indorama Ventures richtet Geschäftsmodell auf Nachhaltigkeit und PET-Recycling aus, um EU-Klimaregelungen wie den CBAM als strategische Chance zu nutzen.

Der in Bangkok ansässige Kunststoffriese Indorama Ventures (IVL) hat eine umfassende Neuausrichtung seiner Unternehmensstrategie eingeleitet. Angesichts strengerer globaler Umweltauflagen betrachtet das Unternehmen Nachhaltigkeit nicht mehr als bloßen Kostenfaktor, sondern als strategische Marktchance. Im Zentrum steht dabei die Anpassung an neue klimapolitische Rahmenbedingungen, wie etwa den Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM) der Europäischen Union, der den CO2-Fußabdruck importierter Waren reguliert.
Investitionen in die Kreislaufwirtschaft
Ein zentraler Pfeiler dieser Transformation ist der Ausbau industrieller PET-Recyclingkapazitäten. Nach Angaben des Unternehmens wurden seit 2011 über 180 Milliarden PET-Flaschen verarbeitet, wobei im Jahr 2025 rund 30,57 Milliarden Flaschen recycelt wurden. Indorama reagiert damit auf die steigende Nachfrage multinationaler Marken nach recycelten Inhalten. Das Unternehmen sieht in der Skalierung der Kreislaufwirtschaft nicht nur eine Möglichkeit zur Ressourceneffizienz, sondern auch ein Instrument, um sich einen Wettbewerbsvorteil gegenüber reinen Herstellern von Neuware (Virgin-Resin) zu sichern.
Digitale Technologien zur Effizienzsteigerung
Zur Optimierung seiner Betriebsabläufe setzt das Unternehmen verstärkt auf Künstliche Intelligenz und fortgeschrittene Industrieanalysen. Die entsprechenden Programme kamen 2025 an 28 Standorten zum Einsatz und dienen unter anderem der Energieoptimierung, der Überwachung von Emissionen sowie der vorausschauenden Wartung von Produktionsanlagen. Diese Maßnahmen sollen dazu beitragen, sowohl das Produktportfolio auf CO2-ärmere Lösungen umzustellen als auch die Prozesse in der Fertigung effizienter zu gestalten.
Herausforderungen durch Infrastruktur und Regulierung
Trotz der technologischen Fortschritte weist das Unternehmen auf systemische Hürden hin. Die thailändische Abfallwirtschaft hinkt den industriellen Kapazitäten hinterher; laut Weltbank-Daten aus dem Jahr 2021 lag die Recyclingquote in Thailand deutlich unter den Zielvorgaben. Der Chief Sustainability Officer von Indorama, Anthony M. Watanabe, betont, dass für einen erfolgreichen grünen Übergang der Industrie ein Zusammenspiel von passenden politischen Rahmenbedingungen, wie etwa Anreizen für die Abfallsammlung, und einer verbesserten Wertschöpfungskette notwendig ist. Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen in der Lieferkette stehen bei der Finanzierung und Umsetzung von ESG-Standards häufig vor größeren Herausforderungen, die eine gezielte Unterstützung durch größere Marktteilnehmer erfordern.