Neuer Windatlas 2026: Präzisere Datenbasis für die österreichische Windkraftplanung
Der Windatlas 2026 bietet neue Daten für Windkraft in Österreich. Präzisere Potenzialbewertungen fördern Debatten über Netzplanung und Flächennutzung.

Österreich verfügt mit dem neuen Windatlas 2026 über ein deutlich präziseres Instrument zur wissenschaftlichen Bewertung von Windkraftpotenzialen. Das von der Energiewerkstatt im Auftrag des Bundesministeriums für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI) und in Kooperation mit der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) entwickelte Kartenwerk löst die bisherige Datengrundlage aus dem Jahr 2011 ab. Die Daten basieren auf einer Verknüpfung numerischer Wettermodelle mit hochaufgelösten geografischen Informationen sowie Satellitendaten und sind in einem Raster von 100 mal 100 Metern für Höhen von 80 bis 150 Metern über Grund frei zugänglich.
Neue Potenziale versus Ausschlusszonen
Die Anwendung der neuen Daten zeigt eine veränderte Landkarte der Windverhältnisse. Während Regionen wie das südliche Traunviertel in Oberösterreich, Teile der Mürzsteger Alpen sowie Gebiete in Salzburg und Tirol nun als potenziell günstiger bewertet werden, zeigen sich in anderen Regionen, etwa westlich von Graz, schwächere Werte als bisher angenommen. Besonders in Oberösterreich führt dies zu einer politischen Spannung: Die neu identifizierten Windpotenzialgebiete überschneiden sich teilweise mit Räumen, die das Land als künftige Ausschlusszonen für Windkraftprojekte vorsieht. Der Branchenverband IG Windkraft kritisiert die aus seiner Sicht zu restriktive Zonierung und fordert eine Anpassung der Flächenplanung, um die Ausbauziele bis 2040 zu erreichen.
Infrastruktur und Systemintegration im Fokus
Der Windatlas unterstreicht die Notwendigkeit einer systemischen Betrachtung der Energiewende. Windenergie wird zunehmend als komplementäre Energiequelle zu Photovoltaik und Wasserkraft eingeordnet, was die Robustheit des Gesamtsystems stärkt. In der Fachwelt wächst der Druck auf die Netzbetreiber, ihre Verteilnetzentwicklungspläne konsequenter an den tatsächlichen Windpotenzialen und energiepolitischen Zielen auszurichten, statt lediglich auf punktuelle Anschlussanfragen zu reagieren. Die IG Windkraft fordert hierbei eine höhere Transparenz bei Netzanschlusskapazitäten und Investitionskosten.
Hybridlösungen als Modell der Zukunft
Die Bedeutung präziser Daten zeigt sich auch am Beispiel bestehender Standorte, die durch Repowering oder hybride Konzepte effizienter genutzt werden können. Als Modellfall dient der Windpark Spörbichl, der in ein Hybrid-Kraftwerk mit Agri-Photovoltaik und Batteriespeicher transformiert wird. Solche Projekte zeigen, dass neue Daten nicht nur die Erschließung neuer Flächen, sondern auch die Optimierung bereits genutzter Infrastrukturpunkte vorantreiben können. Angesichts des Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetzes (EABG) stehen die Akteure nun vor der Aufgabe, Ressourcen, Netzanschluss und Flächenverfügbarkeit in einheitliche und beschleunigte Genehmigungsprozesse zu überführen.