Der deutsche Strommarkt steht vor einem herausfordernden Winter. Für Grundlastlieferungen im Januar 2027 werden an der Strombörse EEX Preise von über 180 Euro je Megawattstunde gehandelt, was einer Steigerung von mehr als 60 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht. Dieser Preisanstieg belastet primär die Großhandelsebene, während sich die Auswirkungen auf Haushalts- und Unternehmenskunden oft zeitverzögert durch neue Tarifstrukturen bemerkbar machen.
Gas als zentraler Preistreiber
Obwohl Erdgaskraftwerke lediglich einen Teil des deutschen Strommixes erzeugen, setzen sie in Lastspitzen häufig den marktbestimmenden Strompreis. Dies führt dazu, dass hohe Erdgasnotierungen direkt auf das allgemeine Strompreisniveau durchschlagen. Die Versorgungssituation wird dabei durch eine zunehmende Konzentration im europäischen LNG-Markt beeinflusst, nachdem im ersten Halbjahr 2026 ein Großteil der Importe aus den USA und Russland stammte. Versorgungsstörungen, wie etwa durch Einschränkungen in der Straße von Hormus, verschärfen die Preissituation zusätzlich.
Sorge um Gasspeicher und Versorgungssicherheit
Ein wesentlicher Unsicherheitsfaktor für den kommenden Winter sind die deutschen Gasspeicherstände. Diese lagen Mitte September 2026 bei rund 56 Prozent, ein Wert, der deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt liegt. Zur Entschärfung der Lage hat die Bundesregierung den Gasimporteur Sefe mit zusätzlichen Beschaffungen beauftragt. Zudem ist der Aufbau einer strategischen Gasreserve von 24 Terawattstunden geplant. Diese Maßnahme wird jedoch den kommenden Winter voraussichtlich noch nicht maßgeblich entlasten, da die geplante Befüllung erst für den Sommer 2027 vorgesehen ist.
Einfluss von Wetter und Erneuerbaren
Erneuerbare Energien tragen bereits heute dazu bei, die Großhandelspreise in sommerlichen Perioden zu dämpfen, können die systemische Gasabhängigkeit im Winter bei geringem Wind- und Sonnenaufkommen jedoch nicht vollständig kompensieren. Experten weisen darauf hin, dass die Kombination aus Kälteperioden und sogenannten Dunkelflauten bei gleichzeitig begrenzten Speicherkapazitäten zu einer weiteren Preisvolatilität führen könnte. Auch die Verfügbarkeit konventioneller Erzeugungskapazitäten, etwa durch französische Kernkraftwerke oder Wasserkraftressourcen, bleibt ein kritischer Faktor für die Versorgungssicherheit in der kalten Jahreszeit.
