Eine neue Untersuchung des Climate Action Research Lab (CARL) der Universität Freiburg verdeutlicht, wie politische Strömungen das Tempo der Energiewende auf kommunaler Ebene beeinflussen können. Die Forscher analysierten für ihre im Fachjournal Nature Sustainability veröffentlichte Studie Daten aus mehr als 10.000 deutschen Kommunen und ergänzten diese durch eine Befragung von rund 8.000 Bürgerinnen und Bürgern.
Zusammenhang zwischen politischer Orientierung und Technologieadoption
Die Ergebnisse legen nahe, dass in Regionen mit einem höheren Zuspruch für die AfD die Verbreitung von Photovoltaikanlagen und Elektroautos im Durchschnitt langsamer voranschreitet. Die Wissenschaftler untersuchten dabei nicht nur Querschnittsdaten, sondern betrachteten auch zeitliche Veränderungen innerhalb einzelner Kommunen. Dabei zeigte sich, dass ein ansteigender Stimmenanteil der Partei mit einer Verlangsamung der technologischen Verbreitung korreliert. Obwohl der Ausbau in diesen Gebieten nicht zum Stillstand kommt, fällt das Wachstum der Anlagen und Fahrzeuge spürbar geringer aus.
Simulation zeigt Potenzial bei stabileren politischen Verhältnissen
Um die Auswirkungen der Wahlergebnisse zu quantifizieren, nutzten die Forscher ein Simulationsmodell. Dieses deutet darauf hin, dass die Verbreitung klimaschonender Technologien bis zum Jahr 2023 bei einer anderen politischen Entwicklung stärker hätte ausfallen können. Den Berechnungen zufolge wäre bei Photovoltaikanlagen ein um bis zu 1,3 Prozent höherer Verbreitungsgrad möglich gewesen, bei Elektroautos liegt dieser Wert in der Modellrechnung bei bis zu 2,9 Prozent.
Soziale Identität als treibender Faktor
Die ergänzende Bürgerbefragung liefert Hinweise auf die Hintergründe der beobachteten Unterschiede. Die Bereitschaft zur Anschaffung von E-Autos oder Solaranlagen sank im Durchschnitt mit einer politisch weiter rechts angesiedelten Einstellung. Besonders ausgeprägt zeigte sich dieser Effekt bei der Elektromobilität. Die Autoren der Studie vermuten, dass das Elektroauto stärker als ein Element der sozialen und politischen Identität wahrgenommen wird als eine Photovoltaikanlage, was die Diskrepanz in der Akzeptanz erklären könnte. So gaben Anhänger der Grünen beispielsweise mehr als dreimal häufiger an, ein E-Auto zu besitzen oder den Kauf eines solchen zu planen, als Anhänger der AfD.
