EU-Logistiknetzwerk für Verteidigung: Ausbau der Kapazitäten in Pfungstadt geplant
Das PESCO-Projekt LogHub vernetzt europäische Militärlogistik. Deutschland plant bis 2028 Investitionen von 210 Millionen Euro in den Standort Pfungstadt.

Das unter der Schirmherrschaft der Ständigen Strukturierten Zusammenarbeit (PESCO) geführte Projekt „Network of LogHubs in Europe and Support to Operations“ hat sich als eines der greifbareren Beispiele europäischer Verteidigungskooperation etabliert. Durch die Vernetzung nationaler Militärlogistikstandorte wird ein System geschaffen, das Material, Ersatzteile und Munition zentral koordiniert und bei Bedarf rasch für multinationale Einsätze bereitstellt. Aktuell beteiligen sich 15 EU-Nationen, die insgesamt rund 25 logistische Einrichtungen in das gemeinsame System eingebracht haben.
Strategischer Ausbau in Deutschland
Ein wesentlicher Pfeiler für die operative Leistungsfähigkeit des Netzwerks ist der deutsche LogHub am Standort Pfungstadt. Um den Anforderungen an eine moderne, flexible Logistik gerecht zu werden, sind umfangreiche Investitionen beschlossen worden. Bis spätestens 2028 soll der Standort mit einem Volumen von rund 210 Millionen Euro technologisch modernisiert und baulich erweitert werden. Die Pläne sehen unter anderem die Freimachung von 40.000 Quadratmetern Lagerfläche vor. Zudem ist eine digitale Aufwertung zur effizienteren Steuerung der Materialflüsse geplant, um die Widerstandsfähigkeit des Systems zu erhöhen.
Integration in NATO-Strukturen und Drittstaatenbeteiligung
Das Projekt zeichnet sich durch seine Dual-Use-Fähigkeit aus, da es sowohl für EU-Missionen als auch für NATO-Operationen genutzt werden kann. Durch die geplante Verzahnung mit dem in Ulm ansässigen NATO-Hauptquartier „Joint Support and Enabling Command“ wird das LogHub-Netzwerk zu einem logistischen Unterbau für die schnelle Truppenverlegung auf dem Kontinent. Bemerkenswert ist zudem die Öffnung für Drittstaaten; so beteiligt sich Kanada konkret an dem Projekt, was die sicherheitspolitische Trennlinie zwischen EU- und NATO-Strukturen weiter durchlässig macht.
Administrative und finanzielle Herausforderungen
Trotz der operativen Fortschritte bestehen weiterhin strukturelle Hürden. Eine zentrale offene Frage ist die finanzielle Verrechnung der wechselseitigen logistischen Unterstützung zwischen den teilnehmenden Nationen. Bislang existiert kein einheitliches Abrechnungssystem, weshalb derzeit über ein Punktesystem diskutiert wird, um administrative Aufwände zu minimieren. Zudem bleibt das Projekt von der allgemeinen Fragmentierung der europäischen Rüstungslandschaft betroffen, da unterschiedliche technische Standards und Munitionskaliber der beteiligten Nationen die gemeinsame Logistik komplexer gestalten. Ob das LogHub-System als Blaupause für komplexere Verteidigungsprojekte dienen kann, wird maßgeblich davon abhängen, ob die politische Bereitschaft zur tieferen Integration in Krisenzeiten dauerhaft bestehen bleibt.
Quelle: https://xpert.digital/network-of-loghubs-in-europe-and-support-to-operations/