JRC-Studie: Klimawandel verschiebt energetische Anfälligkeit von Gebäuden
JRC-Studie zeigt: Der Klimawandel verschiebt die energetische Anfälligkeit von Gebäuden in wärmere Regionen und erhöht den Bedarf an nachhaltigem Bauen.

Wissenschaftler des Joint Research Centre (JRC) der Europäischen Kommission haben eine neue globale Studie veröffentlicht, die erstmals die energetische Anfälligkeit von Gebäuden in verschiedenen Klimazonen kartiert. Die Analyse verdeutlicht, dass Millionen Menschen in Gebäuden leben, die nicht für die zunehmend extremeren klimatischen Bedingungen konzipiert wurden. Während heute vor allem ältere, weniger kompakte Gebäude in kalten Regionen hohe Anforderungen an die Beheizung stellen, verschiebt der Klimawandel diesen Druck in den kommenden Jahrzehnten massiv in Richtung wärmerer, oft einkommensschwacher Regionen.
Welche Faktoren beeinflussen die energetische Anfälligkeit?
Die Studie basiert auf einem vereinfachten Modell, das das Alter und die Bauform eines Gebäudes mit relevanten Klimadaten kombiniert. Die Kompaktheit eines Gebäudes ist dabei ein entscheidender Faktor: Weniger kompakte Bauweisen führen dazu, dass eine größere Oberfläche der Witterung ausgesetzt ist, wodurch im Winter mehr Wärme entweicht und im Sommer mehr Hitze in den Innenraum eindringt. Laut den Forschern wurden weltweit etwa 43 Prozent aller Gebäude vor 1980 errichtet, also zu einer Zeit, in der energetische Effizienzstandards kaum oder gar nicht existierten.
Warum sind einkommensschwache Regionen besonders betroffen?
Neben der baulichen Beschaffenheit bestimmt die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit eines Landes, inwieweit Gebäude durch gezielte Sanierungen oder effiziente Neubauten angepasst werden können. Die Studie zeigt eine deutliche Diskrepanz auf: In einkommensschwachen Ländern haben lediglich etwa 25 Prozent verbindliche Mindestanforderungen für die Energieeffizienz von Neubauten oder Renovierungen etabliert. Im Gegensatz dazu verfügen etwa 50 Prozent der Länder mit hohem oder mittlerem Einkommen über entsprechende Regulierungen. Da in wärmeren Regionen zudem oft eine schnelle, teils ungeplante Urbanisierung stattfindet, steigt der Energiebedarf für Kühlung dort besonders stark an, was den Ausbau fossiler Energieträger zur Stromerzeugung vorantreiben könnte.
Wie können diese Erkenntnisse genutzt werden?
Die globale Kartierung soll politischen Entscheidungsträgern als Leitfaden für die Planung klimaresilienter Wohnbauprogramme dienen. Während für wohlhabende Länder Maßnahmen wie verbesserte natürliche Belüftung und gezielte thermische Isolierung als zentrale Ansätze gelten, liegt der Fokus für schnell wachsende, einkommensschwache Regionen auf der Umsetzung von Standards für neue Konstruktionen. Hierbei werden Mindestanforderungen an die Kompaktheit, eine höhere thermische Masse und passive Lüftungsdesigns als wesentliche Hebel genannt, um den künftigen Kühlbedarf effizient zu begrenzen. Weitere Einzelheiten zur spezifischen Situation in Europa sollen in einer nachfolgenden Studie untersucht werden.
Quelle: https://joint-research-centre.ec.europa.eu/jrc-news-and-updates/climate-vulnerability-buildings-shifting-colder-hotter-regions-2026-07-28_en