Die Meyer Werft hat mit dem Projekt Vision ein Konzept für ein vollelektrisch betriebenes Kreuzfahrtschiff vorgestellt, das die technische Umsetzbarkeit eines emissionsfreien Schiffsbetriebs in dieser Größenordnung aufzeigen soll. Das geplante Schiff weist eine Länge von 275 Metern auf und bietet Raum für rund 1.856 Passagiere bei einer Bruttoraumzahl von etwa 82.000.
Technik und Antriebskonzept
Das Herzstück des Entwurfs bildet ein Lithium-Eisenphosphat-Akku mit einer Kapazität von mindestens 500 Megawattstunden, wobei die Werft für längere Distanzen auch eine 700-Megawattstunden-Variante für möglich hält. Für den Ladevorgang ist eine Leistung von bis zu 40 Megawatt vorgesehen, was in entsprechenden Häfen durch die simultane Nutzung von zwei Landstromanschlüssen realisiert werden soll. Ein entscheidender konstruktiver Vorteil ergibt sich durch den Verzicht auf konventionelle Hauptmaschinen und Abgassysteme, wodurch der typische Schornstein entfallen kann. Dies schafft zusätzlichen Raum für Passagierbereiche, wodurch die Kapazität gegenüber konventionellen Schiffen um bis zu acht Prozent steigen könnte. Für Reedereien mit Bedarf an größeren Reichweiten sieht das Konzept zudem eine Hybridlösung mit kleineren Generatoren vor, die etwa Atlantiküberquerungen ermöglichen würde.
Wirtschaftliche und regulatorische Aspekte
Obwohl die Anschaffungskosten für ein vollelektrisches Schiff etwa 15 Prozent über denen eines herkömmlichen Modells liegen, könnte der wirtschaftliche Nachteil durch geringere Energiekosten, einen reduzierten Wartungsaufwand und den Wegfall von CO2-Emissionskosten ausgeglichen werden. Zudem sinken die pro Kopf kalkulierten Mehrkosten durch das höhere Passagieraufkommen auf drei bis fünf Prozent. Die Entwicklung steht im Kontext verschärfter europäischer Vorgaben wie FuelEU Maritime und des EU-Emissionshandels, die den Druck auf Reedereien erhöhen. Die Werft sieht in dem Konzept daher keine ferne Zukunftsstudie, sondern eine technisch umsetzbare Lösung, die auch vor dem Hintergrund nationaler Regelungen – wie der geplanten Beschränkung auf emissionsfreie Schiffe in norwegischen Fjorden – an Bedeutung gewinnt.
Ausblick und nächste Schritte
Die Ingenieure der Papenburger Werft arbeiten bereits an weiteren Konzepten für Schiffe in einer Größenordnung, die mit bestehenden Schiffen wie der Aida Nova vergleichbar sind. Neben der Batterietechnologie liegt ein weiterer Fokus auf der Effizienzsteigerung durch ein konsequent auf Gleichstrom ausgelegtes Bordnetz, welches Umwandlungsverluste reduzieren und zusätzlichen Bauraum schaffen könnte.
