Offshore-Photovoltaik auf Gezeitenflächen: Taiwanese Projekt zeigt höhere Erträge als Anlagen an Land
Offshore-Solarpark auf taiwanesischen Gezeitenflächen erzielt 12 Prozent höhere Erträge als Landanlagen durch natürliche Kühlungseffekte.

Vor der Westküste Taiwans wird eine innovative Form der Photovoltaik erfolgreich betrieben, die sich die Gezeitenbewegungen zunutze macht. Die auf Schwimmkörpern montierten Solarmodule setzen sich zweimal täglich kontrolliert auf die trockengefallenen Gezeitenflächen ab und kehren mit der Flut in ihre schwimmende Position zurück. Diese Dynamik unterscheidet die Anlage grundlegend von herkömmlichen Floating-PV-Systemen in stehenden Gewässern.
Effizienzsteigerung durch natürliche Kühlung
Analysen von Ingenieuren der Technischen Universität Taipeh belegen, dass die offshore installierten Module über eine Laufzeit von 25 Jahren etwa 12 Prozent mehr Strom erzeugen als eine vergleichbare Anlage an Land. Den entscheidenden Vorteil sehen die Experten in den klimatischen Bedingungen der Gezeitenregion. Die Kühlung erfolgt dabei zweifach: Während der Flut entzieht das unter den Modulen fließende Meerwasser dem System kontinuierlich Wärme durch Konduktion. Bei Ebbe sorgt ein zurückbleibender, dünner Film aus Salzwasser durch Verdunstung für eine zusätzliche Kühlung der Rahmen und Rückseiten.
Technische Anforderungen an Konstruktion und Wartung
Die rauen Bedingungen durch Gezeitenströme und die Gefahr durch Taifune erforderten eine robuste Verankerung. Anstatt auf flexible Seilverbindungen zu setzen, wurde die zweite Ausbauphase der Anlage auf massiven Betonpfeilern und Stahl-H-Trägern installiert. Diese Bauweise ist eine Besonderheit für derartige Großprojekte. Den technischen Vorteilen stehen jedoch höhere Betriebskosten gegenüber. Die Installationskosten pro Kilowatt liegen schätzungsweise 30 Prozent über denen von Bodenanlagen. Zudem erfordern korrosionsbeständige Materialien und ein intensiverer Wartungsaufwand, insbesondere die regelmäßige Reinigung von Salzverkrustungen und die Kontrolle auf marinen Bewuchs unter den Schwimmkörpern, kontinuierliche Investitionen.
Potenzial für weitere Standorte
Die im taiwanesischen Changhua realisierte Anlage umfasst mittlerweile zwei Phasen mit einer Gesamtleistung von rund 440 MWp auf einer Fläche von 857 Acres. Die Ergebnisse widerlegen die verbreitete industrielle Annahme, dass die Belastung durch Salzwasser und Schlick die Effizienz negativ beeinflussen würde. Für Regionen mit flachen Intertidalzonen, wie sie etwa in Thailand, den Philippinen oder Südkorea vorkommen, eröffnet dieser Anlagenbetrieb neue Perspektiven zur Flächennutzung für die Energiewende.