Pionierprojekt vor dem Aus: Erste schwimmende Milchfarm in Rotterdam steht zum Verkauf
Die weltweit erste schwimmende Milchfarm in Rotterdam steht zum Verkauf. Betriebsprobleme und Pachtende zwingen zur Verlagerung des Projekts.

Die weltweit erste schwimmende Milchfarm im Hafen von Rotterdam steht zum Verkauf. Betreiber und Eigentümer suchen internationale Käufer oder institutionelle Investoren, die die mobile schwimmende Struktur übernehmen und an einen neuen Küstenstandort verlegen möchten. Das innovative Pionierprojekt verband urbane Landwirtschaft, Kreislaufwirtschaft und schwimmende Photovoltaikanlagen zur Stromerzeugung, stößt am aktuellen Standort jedoch auf unüberwindbare betriebliche und rechtliche Hürden.
Technische Mängel und administrative Hürden beim Stallboden
Der Hauptgrund für das operative Scheitern liegt in strukturellen Problemen des spezialisierten emissionsarmen Stallbodens. Dieser war darauf ausgelegt, Urin und trockenen Mist zu trennen, um Ammoniakemissionen zu minimieren. Im Laufe der Zeit dehnte sich das Bodenmaterial jedoch aus, wölbte sich und löste sich ab. Dies gefährdete die 28 Rinder der Rasse Maas-Rhein-Issel und blockierte die automatischen Entmistungsschieber. Ein aus Deutschland importiertes Ersatzbodensystem erfüllte in der Folge nicht die strengen niederländischen Umweltzertifizierungsstandards. Dadurch drohten dem Betrieb wiederkehrende kommunale Bußgelder von bis zu 24.000 Euro, was unüberwindbare administrative Hürden schaffte.
Auslaufender Pachtvertrag im Hafen von Rotterdam
Zusätzlich verschärft wird die Situation durch das bevorstehende Ende des Pachtvertrags mit der Hafenbehörde von Rotterdam im Frühjahr 2028. Vertreter der Hafenbehörde stellten klar, dass der Vertrag nicht verlängert wird, da das schwimmende Landwirtschaftskonzept nur als temporäres Pilotprojekt genehmigt wurde und langfristig nicht mit der industriellen Hafenentwicklung vereinbar ist. Zudem priorisieren städtische Neugestaltungspläne für das umliegende Uferareal den Bau von Wohnraum und die Erweiterung kommerzieller Schifffahrtsstraßen gegenüber der städtischen Viehhaltung.
Technischer Nachweis für schwimmende Kreislaufwirtschaft erbracht
Trotz der betrieblichen Rückschläge hat die Anlage mit 28 Kühen die technische Machbarkeit einer hyperlokalen urbanen Milchproduktion demonstriert. Täglich wurden rund 600 Liter Milch für den regionalen Einzelhandel verarbeitet. Das geschlossene System nutzte zirkuläre Rohstoffe: Die Kühe wurden mit Grasschnitt aus städtischen Parks und Treber aus lokalen Brauereien gefüttert. Den benötigten Strom erzeugte die Anlage über integrierte schwimmende Photovoltaik-Inseln. Nun soll das bewegliche Bauwerk an einem neuen Standort weltweit eine zweite Chance erhalten.