Studie bewertet Potenziale und ökologische Risiken von Moor-Photovoltaik
Neue BfN-Studie zu Moor-PV: Nur knapp 30 Prozent der Moorflächen geeignet. Experten fordern Wiedervernässung und langfristige ökologische Begleitforschung.

Die Nutzung von landwirtschaftlich genutzten Moorböden für die Photovoltaik (Moor-PV) steht im Fokus einer neuen Studie des Bundesamtes für Naturschutz (BfN). Während die Technologie als vielversprechender Ansatz gilt, um Klimaschutz durch Wiedervernässung mit wirtschaftlicher Stromerzeugung zu verbinden, unterstreicht die Untersuchung deutliche Limitierungen bei der Flächenverfügbarkeit und erhebliche Wissenslücken in ökologischer Hinsicht.
Potenzial deutlich geringer als erwartet
Von den bundesweit rund 18.098 Quadratkilometern organischer Böden sind nach den Ergebnissen der Untersuchung lediglich 28,6 Prozent potenziell für die Errichtung von Moor-PV geeignet. Mehr als 60 Prozent der Flächen fallen aufgrund fachrechtlicher Ausschlusskriterien weg, weitere 10 Prozent sind lediglich eingeschränkt prüfbar. Das daraus resultierende Potenzial zur Stromerzeugung wird in der Studie auf 129 bis 311 Gigawatt Peak beziffert – ein Wert, der hinter bisherigen Erwartungen zurückbleibt.
Forschungslücken bei ökologischen Folgen
Ein zentrales Ergebnis der Untersuchung ist die unzureichende Datenlage zu den tatsächlichen Auswirkungen der Anlagen auf die Umwelt. Eine systematische Literaturrecherche konnte weltweit nur 30 Studien identifizieren, die sich direkt mit PV-Anlagen auf Moorböden befassen. Belastbare Vergleiche zwischen dem ökologischen Zustand vor und nach dem Bau der Anlagen fehlen weitgehend, was eine fundierte Bewertung von Wechselwirkungen mit Arten und Lebensräumen derzeit erschwert.
Empfehlungen für den Rechtsrahmen
Um Konflikte zu minimieren, plädieren die Autoren für strengere rechtliche Vorgaben. Sie fordern ein Verbot von PV-Anlagen auf trockengelegten Moorböden, sofern keine begleitende Wiedervernässung erfolgt. Zudem sollen solche Anlagen von der EEG-Privilegierung ausgeschlossen werden, um Anreize für eine naturverträgliche Ausgestaltung zu setzen. Auf raumplanerischer Ebene wird eine gezielte Steuerung über Vorrang- und Vorbehaltsgebiete empfohlen.
Notwendigkeit langfristiger Begleitforschung
Für eine zukünftige Genehmigungspraxis sei eine fundiertere Wissensbasis unabdingbar. Die Studie fordert deshalb eine mindestens zehnjährige wissenschaftliche Begleitforschung, um die Auswirkungen auf ökologische Prozesse und Lebensräume präzise zu erfassen. Nur durch klarere rechtliche Rahmenbedingungen und eine langfristige Überwachung könne Moor-PV als tragfähiger Baustein der Energiewende fungieren.