Agenda für eine zirkuläre Volkswirtschaft: Experten fordern belastbare Regeln für Sekundärrohstoffe
Experten fordern eine politische Agenda für die Kreislaufwirtschaft, um durch Qualitätsstandards und versicherbare Bauteilklassen Sekundärrohstoffe zu etablieren.

Die deutsche Kreislaufpolitik steht vor der Herausforderung, Sekundärrohstoffe als verlässliche Industrieprodukte im Markt zu etablieren. Während Deutschland über ausgereifte Entsorgungsprozesse verfügt, bleibt der Anteil der im Kreislauf geführten Materialien mit rund 14 Prozent gering. Experten betonen, dass politische Quoten ohne eine entsprechende industrielle Qualitätsinfrastruktur kaum Wirkung zeigen, da industrielle Abnehmer für ihre Produktionsprozesse verlässliche Spezifikationen und Haftungsregeln benötigen.
Wie kann der Übergang zur Kreislaufwirtschaft gelingen?
Der Bund sollte die über 200 identifizierten Normungsbedarfe der Branche in ein verbindliches Arbeitsprogramm überführen. Dieses Programm sollte für zentrale Stoffströme wie Baustoffe, Kunststoffe, Metalle und Textilien jeweils ein Paket aus Qualitätsklassen, Prüfverfahren und Datenstandards definieren. Ein zentraler Baustein ist dabei die Nutzung technischer Selbstverwaltung, bei der Fachgremien aus Wissenschaft und Wirtschaft – ähnlich wie in der Wasserwirtschaft – technische Regeln entwickeln, während der Staat die Rahmenbedingungen für Umweltschutz und Sicherheit setzt.
Welche Rolle spielt die Versicherbarkeit von Bauteilen?
Für die Wiederverwendung von Materialien, insbesondere im Bausektor, stellt die Versicherbarkeit eine entscheidende Eintrittskarte dar. Aktuell scheitert die Wiederverwendung häufig an fehlenden Gewährleistungsmodellen für gebrauchte Komponenten. Es wird vorgeschlagen, Bauteilklassen einzuführen, die anhand standardisierter Prüfungen bewertet werden. Ein zeitlich begrenzter staatlicher Gewährleistungsfonds könnte hier das Risiko decken und den Markteintritt ebnen, bis private Versicherer auf Basis wachsender Schadenerfahrung eigene Tarife anbieten können.
Warum ist die öffentliche Beschaffung ein wichtiger Hebel?
Die öffentliche Hand als großer Nachfrager kann durch gezielte Ausschreibungen einen Referenzmarkt für zirkuläre Produkte schaffen. Indem bei öffentlichen Bau- oder Beschaffungsprojekten Mindestanteile für Sekundärbaustoffe und Anforderungen an die Reparierbarkeit verbindlich festgelegt werden, ließe sich die Skalierung der nötigen Aufbereitungsinfrastruktur fördern. Zudem wird eine Anpassung des Steuersystems empfohlen, etwa durch reduzierte Mehrwertsteuersätze auf Reparaturdienstleistungen, um zirkuläre Geschäftsmodelle wirtschaftlich konkurrenzfähig zu machen.
Quelle: https://ichsagmal.com/die-zirkulaere-republik-braucht-belastbare-regeln-schneidercar-bundeskanzler-bmwe_/