Die Rutgers University in New Jersey erforscht mit einer neuartigen Agri-PV-Anlage, wie sich die landwirtschaftliche Nutzung von Flächen und die Gewinnung von Solarenergie effizient miteinander vereinbaren lassen. Auf dem Universitätsgelände in New Brunswick sowie an weiteren Standorten werden vertikal ausgerichtete, bifaziale Solarmodule eingesetzt, die wie Zäune in langen, weit voneinander entfernten Reihen aufgestellt sind. Diese Anordnung ermöglicht es, den Raum zwischen den Paneelen weiterhin landwirtschaftlich zu nutzen – etwa für die Beweidung durch Rinder oder den Anbau von Spezialkulturen wie Tomaten und Auberginen.
Im Gegensatz zu herkömmlichen Solarparks, bei denen die Module in einem flachen Winkel nach Süden ausgerichtet sind und die Fläche für andere Aktivitäten versiegeln oder blockieren, erlauben die vertikalen Anlagen eine freie Bewegung von landwirtschaftlichen Maschinen. Da die Module auf beiden Seiten Strom erzeugen und in Ost-West-Richtung stehen, nutzen sie die Sonnenstrahlung am Morgen und am Nachmittag optimal aus. Die Abstände von rund zehn Metern zwischen den Reihen bieten ausreichend Platz für Traktoren und das Weidevieh.
Das Forschungsvorhaben basiert auf einem Gesamtinvestitionsvolumen von 7,4 Millionen US-Dollar. Hierzu zählen unter anderem 2,9 Millionen US-Dollar an staatlichen Mitteln für den Aufbau an drei Standorten, 1,6 Millionen US-Dollar aus dem FARMS-Programm des US-Energieministeriums sowie eine Förderung von 2,8 Millionen US-Dollar durch die New Jersey Board of Public Utilities, die an das 'Dual-Use Solar Energy Pilot Program' des Bundesstaates gekoppelt ist.
Das auf mehrere Jahre angelegte Projekt, das zu Beginn der Anbausaison 2024 startete, soll fundierte Daten für die künftige Politikgestaltung liefern. Im Fokus stehen neben der Energieerzeugung auch praktische Aspekte wie Ernteerträge in Abhängigkeit von der Anlagendichte, Einflüsse auf die Bodenfeuchtigkeit und die Mikroklimata sowie die Wirtschaftlichkeit für landwirtschaftliche Betriebe. Zu den Kooperationspartnern der Studie gehören unter anderem die Delaware State University, der American Farmland Trust sowie das National Renewable Energy Laboratory. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen helfen, die Zielvorgabe New Jerseys für 100 Prozent erneuerbare Elektrizität bis 2050 mit dem Erhalt der landwirtschaftlichen Tradition des Bundesstaates zu vereinen.
