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Europäische Stahlindustrie unter Druck: Energiepreise bestimmen Wettbewerbsfähigkeit

Hohe Strompreise und Netzentgelte setzen die deutsche Stahlindustrie unter Druck. Ein neues EU-Zollkontingent soll die Produktion ab Juli 2026 schützen.

Dr. Web

Die Stahlindustrie bleibt ein zentrales Rückgrat der deutschen Wirtschaft, steht jedoch vor einem tiefgreifenden Wandel. Im Jahr 2025 sank die deutsche Rohstahlproduktion auf 34,1 Millionen Tonnen, den niedrigsten Stand seit der Finanzkrise 2009, bei einer Kapazitätsauslastung von weniger als 70 Prozent. Die Branche, in der in stahlintensiven Bereichen etwa vier Millionen Menschen beschäftigt sind, leidet zunehmend unter globalen Wettbewerbsnachteilen bei der Energieversorgung.

Warum steigen die Kosten für die Stahlhersteller?

Ein wesentlicher Faktor für den steigenden Kostendruck sind die massiv gestiegenen Strompreise. Während Unternehmen in China 55 bis 69 Euro und in den USA 44 bis 49 Euro je Megawattstunde zahlten, lagen die Kosten für energieintensive Betriebe in Deutschland bei 101 bis 114 Euro. Die jährlichen Stromkosten der Branche kletterten von durchschnittlich 730 Millionen Euro im Zeitraum 2017 bis 2020 auf 1,44 Milliarden Euro im Jahr 2025, wobei eine Verdopplung der Netzentgelte als ein Haupttreiber identifiziert wurde.

Welche Auswirkungen haben die neuen EU-Handelsschranken?

Um die heimische Stahlproduktion zu stützen, hat die Europäische Union zum 1. Juli 2026 neue Schutzmaßnahmen eingeführt. Das zollfreie Einfuhrkontingent für Stahl wurde um 47 Prozent auf 18,3 Millionen Tonnen pro Jahr gesenkt. Für Mengen, die dieses Limit überschreiten, greift ein Zoll von 50 Prozent. Diese Maßnahme zielt darauf ab, die europäische Industrie vor billigen Importen zu schützen, die unter anderem aus Kapazitäten resultieren, die nicht mit den europäischen Emissionsanforderungen oder Strompreisen konkurrieren müssen. Weitere Details zum Einfluss auf die Abnehmerpreise in nachgelagerten Industrien gehen aus den Quellen nicht hervor.

Wie erfolgt die Transformation zur grünen Stahlproduktion?

Die Branche setzt verstärkt auf wasserstoffbasierte Direktreduktion und das Einschmelzen von Stahlschrott im Elektrolichtbogenofen, um die CO2-Emissionen zu senken. Bei der Direktreduktion wird Kokskohle durch Wasserstoff ersetzt, was den Energiebedarf der Werke signifikant verändert. Während Stahlwerke traditionell einen Teil ihres Stroms aus Kuppelgasen selbst erzeugten, steigt bei der Umstellung auf grüne Verfahren der Bedarf an netzgebundenem Strom drastisch an. Die Wirtschaftsvereinigung Stahl prognostiziert für die Umstellung der Hälfte der Primärproduktion einen Anstieg auf 23 Terawattstunden aus dem Netz.

Quelle: https://www.drweb.de/eisen/

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