KI im Schweizer Stromnetz: Zwischen Mehrverbrauch und Effizienzpotenzial
KI steigt zum Standortfaktor in der Schweiz auf: Wie der Sektor Energie verbraucht und gleichzeitig zur Effizienz in Stromnetzen und Gebäuden beiträgt.

Der Vormarsch Künstlicher Intelligenz (KI) stellt das Schweizer Energiesystem vor neue Herausforderungen und Chancen. Während Rechenzentren zunehmend als kritischer Standortfaktor wahrgenommen werden, wächst der Druck auf die Strominfrastruktur. Eine aktuelle Studie im Auftrag von EnergieSchweiz und dem Bundesamt für Energie beziffert den Stromverbrauch von Rechenzentren in der Schweiz für das Jahr 2024 auf rund 2,1 Terawattstunden, was etwa 3,6 Prozent des nationalen Strombedarfs entspricht. Bis 2030 prognostizieren die Autoren einen Anstieg auf 2,5 bis 3,2 Terawattstunden. In einem optimistischen Szenario könnte dieser Wert auf bis zu 3,5 Terawattstunden – rund sechs Prozent des aktuellen Landesverbrauchs – anwachsen.
KI als Werkzeug der Energiewende
Trotz des steigenden Energiebedarfs unterstreichen Experten, dass KI das Potenzial hat, Energieverbräuche im Gesamtsystem signifikant zu senken. Ein Beispiel für diese positive Wirkung ist der Übertragungsnetzbetreiber Swissgrid. Durch den Einsatz KI-gestützter Prognosemodelle für den Bedarf an Regelenergie konnte das Unternehmen im Jahr 2025 die Aktivierung von Sekundärregelenergie im Vergleich zum Vorjahr um 22 Prozent reduzieren. Auch im Gebäudesektor zeigt die Technologie Wirkung: Das Empa-Spin-off Viboo nutzt lernende Steuerungen, die den Heiz- und Kühlbedarf durch Einbeziehung von Wetterdaten und Nutzungsmustern um 20 bis 40 Prozent optimieren können.
Effizienzpotenziale in Rechenzentren
Neben der Anwendung in externen Sektoren liegt ein erheblicher Hebel direkt bei den Rechenzentren selbst. Laut Studien des Bundesamtes für Energie besteht ein technisches Effizienzpotenzial von etwa 0,8 Terawattstunden. Durch Massnahmen wie eine verbesserte Serverauslastung, konsequente Virtualisierung und ein intelligenteres Management von Rechenprozessen könnte ein wesentlicher Teil des künftigen Mehrbedarfs kompensiert werden. Dennoch bleibt die Gefahr des sogenannten Jevons-Paradoxons bestehen: Effizienzsteigerungen könnten durch ein exponentielles Wachstum an KI-Anwendungen wieder aufgezehrt werden.
Strategische Anforderungen an den Ausbau
Angesichts dieser Entwicklung gewinnen Infrastrukturstrategien an Bedeutung. Fachleute betonen, dass neue Rechenzentren verstärkt dort geplant werden sollten, wo eine Anbindung an leistungsfähige Stromnetze, erneuerbare Energiequellen und Möglichkeiten zur Abwärmenutzung gegeben sind. Zudem wird eine höhere Transparenz bei Energieverbrauch, Auslastung und Effizienz von KI-Diensten gefordert, um den volkswirtschaftlichen Nutzen der eingesetzten Kilowattstunden messbar zu machen.
Quelle: https://www.insidenews.ch/ki-braucht-strom-und-wird-teil-der-energiewende/