Studie: Wärmepumpen und Wärmenetze als Basis der kommunalen Wärmeplanung
Fraunhofer ISE und Öko-Institut analysieren 380 Wärmepläne: Wärmepumpen und Wärmenetze decken bis 2045 fast 80 Prozent des deutschen Wärmebedarfs.

Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE und das Öko-Institut haben in einer umfangreichen Studie die kommunale Wärmeplanung in Deutschland untersucht. Auf Basis von rund 380 Wärmeplänen für etwa 940 Kommunen zeigt sich, dass Wärmepumpen und Wärmenetze künftig das Rückgrat der Wärmeversorgung bilden sollen. Bis zum Jahr 2045 wird angestrebt, fast 80 Prozent des gesamten Wärmebedarfs über diese beiden Technologien zu decken, während ein weitgehender Ausstieg aus Erdgas und Heizöl erfolgen soll. Dabei entfallen rund 42 Prozent auf Wärmepumpen und 37 Prozent auf Wärmenetze.
Regionale Unterschiede in der Strategie
Die Wahl der bevorzugten Lösung variiert stark mit der jeweiligen Siedlungsstruktur. Während dezentrale Wärmepumpen vor allem in kleineren und mittleren Kommunen eine zentrale Rolle spielen, setzen größere und dicht besiedelte Städte verstärkt auf den Ausbau leitungsgebundener Fernwärmenetze. Der Anteil der kommunalen Wärme, der über Wärmenetze bereitgestellt wird, soll laut den vorliegenden Plänen von derzeit etwa 15 Prozent auf 38 Prozent im Jahr 2045 ansteigen.
Kritische Annahmen bei Sanierung und Biomasse
Die Forschenden betonen jedoch, dass viele der geprüften Pläne auf Annahmen basieren, die noch nicht ausreichend belastbar sind. Zwei Drittel der untersuchten Kommunen planen für die Erreichung der Klimaziele jährlich höhere Sanierungsraten ein, als es der historische Vergleichswert von etwa einem Prozent nahelegt. Oft bleibt jedoch unklar, durch welche konkreten Maßnahmen diese ehrgeizigen Ziele realisiert werden sollen. Zudem zeigt sich bei der Biomasse ein Zielkonflikt: In 63 Prozent der Kommunen übersteigt der geplante Bedarf für 2045 das jeweils ausgewiesene lokale Potenzial um insgesamt knapp 40 Prozent. Dies deutet auf eine Abhängigkeit von regionalen Importen hin, was bei gleichzeitiger Nutzung durch viele Kommunen Nutzungskonkurrenzen heraufbeschwören könnte.
Differenzierung bei Industriewärme fehlt
Ein weiterer kritischer Punkt ist die mangelnde Differenzierung bei der industriellen Prozesswärme. Obwohl diese in vielen Kommunen einen erheblichen Anteil am gesamten Wärmebedarf einnimmt, unterscheiden die aktuellen Pläne selten präzise zwischen Raumwärme und industriellen Prozesswärmebedarfen. Dies erschwert eine verlässliche Einschätzung zur künftigen Wasserstoffnachfrage. Wasserstoff spielt in den meisten Zielbildern derzeit nur eine untergeordnete Rolle und wird primär für industrielle Prozesse oder zur Deckung von Spitzenlasten in Netzen vorgesehen. Die Forschenden empfehlen den Kommunen daher, ihre Planungen weiter zu präzisieren und auch konservativere Szenarien in die Infrastrukturgestaltung einzubeziehen.
Quelle: https://circular-technology.com/waermepumpen-und-waermenetze-bilden-rueckgrat-effizienter-waermeversorgung/