Der Bund treibt die Rückführung des Gaskonzerns Sefe in private Hände voran. Wie aus Kreisen des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz bekannt wurde, hat die Bundesregierung bereits den Auswahlprozess für Kanzleien und Investmentbanker gestartet, um die Reprivatisierung zu begleiten. Insidern zufolge soll die Investmentbank Lazard das Mandat für den Prozess übernehmen.
Strategische Neuausrichtung und Verkaufsprozess
Der offizielle Verkaufsstart ist für Anfang 2027 anvisiert. Nach Informationen der „Börsen-Zeitung“ plant die Regierung ein zweigleisiges Verfahren, das theoretisch sowohl in einen direkten Verkauf als auch in einen Börsengang münden könnte. Ein Börsengang gilt in Regierungskreisen jedoch als weniger wahrscheinlich. Begleitend zu diesem Prozess soll durch eine Kapitalerhöhung von bis zu zwei Milliarden Euro frisches Kapital gewonnen werden, das gezielt in den Ausbau des Infrastrukturgeschäfts des Konzerns fließen soll.
Bedeutung für die Versorgungssicherheit
Sefe, dessen Name für „Securing Energy for Europe“ steht, ist der mit Abstand größte Gasimporteur in Deutschland. Das Importvolumen des Unternehmens ist etwa doppelt so hoch wie das des ebenfalls verstaatlichten Wettbewerbers Uniper. Aufgrund dieser Größe kommt dem Unternehmen eine Schlüsselrolle für die Stabilität der Energieversorgung in Deutschland und Europa zu. Eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums betonte, dass die Gewährleistung dieser Versorgungssicherheit bei der Gestaltung des Privatisierungsprozesses oberste Priorität habe.
Hintergrund und Finanzlage
Der Bund hatte Sefe infolge des russischen Einmarsches in die Ukraine übernommen, um die Energieversorgung angesichts wegfallender russischer Gaslieferungen zu sichern. Die staatliche Rettung war mit einem Volumen von rund sechs Milliarden Euro verbunden, was laut Medienberichten auch der aktuellen Einschätzung des Unternehmenswertes entspricht. Die finanzielle Erholung des Konzerns gilt im Vergleich zum Konkurrenten Uniper, der sich ebenfalls in einem laufenden Privatisierungsprozess befindet, als weniger weit fortgeschritten. Im Jahr 2025 erwirtschaftete Sefe mit rund 2200 Beschäftigten einen Umsatz von etwa 15,5 Milliarden Euro. Sefe selbst äußerte sich nicht zu den laufenden Beratungsmandaten.
