Der dänische Technologiekonzern Danfoss hat in einem neuen Bericht das enorme, bisher weitgehend ungenutzte Potenzial von Abwärme für die Energieversorgung dargelegt. Allein im Jahr 2023 blieben weltweit schätzungsweise 3.100 Terawattstunden (TWh) an Abwärme ungenutzt. Durch eine konsequente Rückgewinnung könnten theoretisch jährliche Einsparungen von bis zu 140 Milliarden Euro realisiert werden.
Technologien zur Abwärmenutzung
Als entscheidende Quellen für dieses Wärmepotenzial nennt der Bericht Rechenzentren, Industrieanlagen, Supermärkte sowie Abwasserbehandlungsanlagen. Insbesondere Rechenzentren, die kontinuierlich in Betrieb sind und nahezu die gesamte verbrauchte Energie in Wärme umwandeln, bieten attraktive Bedingungen. Um diese Energie nutzbar zu machen, schlägt Danfoss drei primäre Wege vor: die direkte Nutzung vor Ort, den Einsatz von Microgrids in Industrieclustern sowie die Integration in kommunale oder überregionale Fernwärmesysteme. Dabei spielen Wärmepumpen die zentrale Rolle, da sie die oft niedrigtemperierte Abwärme auf das für Raumheizung oder Industrieprozesse benötigte Temperaturniveau anheben können.
Analyse zum Fernwärmepotenzial in Deutschland
Für den deutschen Markt untersuchte das Unternehmen 178 Fernwärmenetze mit jeweils mehr als 5.000 angeschlossenen Haushalten. Dabei wurden industrielle Abwärmequellen im Umkreis von einem Kilometer um diese Netze analysiert. Das Ergebnis zeigt, dass allein durch die Erschließung dieser industriellen Abwärme etwa 30,4 Prozent des jährlichen Wärmebedarfs dieser Netze gedeckt werden könnten. Das Register berücksichtigt dabei ausschließlich bisher ungenutzte Quellen und klammert bestehende Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen aus.
Praxisbeispiel und politische Forderungen
Die praktische Umsetzbarkeit verdeutlicht das Beispiel einer dänischen Aluminiumhütte. Durch den Einsatz von Wärmepumpen wird Prozesswärme von 16 Grad Celsius auf 60 Grad Celsius für die Raumheizung angehoben; eine zweite Booster-Wärmepumpe erreicht sogar 90 Grad Celsius zur Vorwärmung industrieller Prozesse. Dies führt zu einer jährlichen Einsparung von über 200.000 Kubikmetern Erdgas und einer Reduktion der CO2-Emissionen um rund 407 Tonnen.
Trotz der technologischen Verfügbarkeit mahnt Kristian Strand, President bei Danfoss Climate Solutions, politische Rahmenbedingungen an. Insbesondere die aktuelle Preisgestaltung, bei der Strom für Investitionen in Wärmerückgewinnung oft teurer ist als fossiles Gas, müsse durch politische Entscheidungen korrigiert werden, um die Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz der Energiewende zu stärken.
