Die industrielle Prozesswärme stellt eine zentrale Herausforderung für die Dekarbonisierung der Wirtschaft dar. Da viele Produktionsprozesse – etwa in der Lebensmittel-, Pharma- oder Chemiebranche – Temperaturen von bis zu 150 °C erfordern, erfolgt die Wärmeversorgung derzeit überwiegend durch die Verbrennung von Erdgas. Ein am ETH Pioneer Fellowship gefördertes Projekt unter der Leitung des ETH-Ingenieurs Luca Thommen zielt darauf ab, diese Abhängigkeit durch eine innovative Solarthermie-Lösung zu verringern.
Technischer Ansatz für mehr Wirtschaftlichkeit
Der neu entwickelte Kollektor nutzt reflektierende Elemente, um einfallendes Sonnenlicht gezielt auf eine Absorberplatte zu konzentrieren. Diese erwärmt direkt Luft oder Wasser, während eine spezielle Isolierung Wärmeverluste minimiert. Ein wesentliches Merkmal der Technologie ist die bewusste Beschränkung auf wenige, kostengünstige Materialien anstelle komplexer Metallkonstruktionen. Damit soll die Solarthermie-Anwendung erstmals eine wirtschaftliche Konkurrenzfähigkeit gegenüber konventionellen fossilen Energieträgern erreichen. Erste Rückmeldungen aus der Industrie, darunter vom ETH-Spin-off Climeworks, werden als positiv eingestuft.
Förderung und Markteinführung
Im Rahmen des ETH Pioneer Fellowships erhält der Entwickler Unterstützung in Höhe von bis zu 180.000 CHF sowie ein fachliches Mentoring. Das Ziel besteht darin, die Technologie innerhalb eines Jahres zur Marktreife zu führen. Geplant ist zudem der Bau einer Pilotanlage, um die Praxistauglichkeit unter realen industriellen Bedingungen zu demonstrieren. Die direkte Erzeugung von Wärme, anstatt der indirekten Umwandlung über Strom, gilt als entscheidender Vorteil für Anwendungen, die Wärme bei Temperaturen um 100 °C oder darüber benötigen, etwa bei der CO₂-Abscheidung.
