Die Diskussion um die Kosten der Energiewende wird häufig von pauschalen Zahlen über die Gesamtausgaben des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) geprägt. Eine neue Kurzstudie der enervis energy advisors GmbH, in Auftrag gegeben vom Landesverband Erneuerbare Energien (LEE) NRW, liefert nun eine differenzierte Datenbasis, die diesen Blickwinkel in Frage stellt. Die Analyse verdeutlicht, dass die finanzielle Belastung durch den aktuellen Zubau von Erneuerbare-Energien-Anlagen wesentlich geringer ausfällt als die Kosten des bestehenden Anlagenparks.
Hohe Kostendifferenz zwischen Bestand und Neuanlagen
Die Berechnungen zeigen eine signifikante Diskrepanz: Während der jährliche EEG-Aufwand für die untersuchten Neuanlagen auf rund 400 Millionen Euro geschätzt wird, liegen die Kosten für das gesamte bestehende Anlagenportfolio bei etwa 14,8 Milliarden Euro pro Jahr. Diese Differenz resultiert primär aus den in der Vergangenheit deutlich höheren Vergütungsniveaus für Bestandsanlagen. Die Studie betrachtete für die Auswertung Windenergie an Land sowie Photovoltaik-Anlagen auf Freiflächen und Dächern, für die seit Anfang 2025 Zuschläge erteilt wurden.
Spezifische Kosten je Kilowattstunde im Fokus
Besonders wirtschaftlich zeigt sich laut der Studie der Ausbau von Freiflächen-Photovoltaik, dessen Kosten sich auf lediglich 0,43 Cent pro Kilowattstunde belaufen. Auch Windenergieanlagen an Land weisen mit 0,61 Cent pro Kilowattstunde niedrige spezifische Kosten auf, während Aufdach-Photovoltaik mit 2,24 Cent berechnet wird. Diese Entwicklung wird maßgeblich durch gesunkene Zuschlagswerte bei Ausschreibungen und die erzielten Strommarkterlöse vorangetrieben.
Neubewertung des EEG als Investitionsinstrument
Ursula Heinen-Esser, Präsidentin des Bundesverbands Erneuerbare Energie (BEE), betont die Notwendigkeit, zwischen historischen Vergütungssätzen und heutigen Förderbedingungen zu unterscheiden. Das EEG habe sich grundlegend gewandelt: Von einem Instrument zur reinen Förderung habe es sich zu einem Mechanismus entwickelt, der Investitionen absichert. Die Studie empfiehlt daher, künftig eine klare Trennung zwischen bestehenden Verpflichtungen, aktuellen Marktpreisen und den tatsächlichen Kosten des Zubaus vorzunehmen, um eine sachliche Debatte über die Energiewendekosten zu ermöglichen.
