Der industrielle Umbau der deutschen Stahlbranche gewinnt an Dynamik. Bei einem Besuch der Dillinger Hütte im Saarland unterstrich Bundeskanzler Friedrich Merz die Bedeutung einer klimafreundlich modernisierten Stahlproduktion für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit und den Erhalt des Industriestandorts Deutschland. Die saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger bezeichnete die laufenden Projekte in der Region als beispielhaft für eine gelungene Transformation der Grundstoffindustrie.
Investitionen in die Dekarbonisierung
Das Vorhaben zur Umstellung auf emissionsärmere Prozesse in der saarländischen Stahlindustrie ist mit einem Gesamtvolumen von etwa 4,6 Milliarden Euro veranschlagt. Die Finanzierung erfolgt durch eine Kombination aus staatlichen Fördermitteln von 2,6 Milliarden Euro sowie Eigenmitteln der Unternehmen. Ähnliche Projekte werden derzeit auch von Branchengrößen wie Thyssenkrupp in Duisburg und der Salzgitter AG in Niedersachsen vorangetrieben, um die Klimaziele durch die Reduktion von CO2-Emissionen zu unterstützen.
Technologische Umstellung auf Wasserstoff
Ein zentraler Baustein der Dekarbonisierung ist der Übergang von klassischen Hochöfen zu Direktreduktionsanlagen. Anstelle von Kohle und Koks wird in diesen Anlagen Wasserstoff eingesetzt, um dem Eisenerz Sauerstoff zu entziehen. Das Ziel ist eine klimaneutrale Produktion bis 2045. Die neuen Anlagen im Saarland sollen bereits bis Anfang der 2030er Jahre eine CO2-Einsparung von bis zu 55 Prozent – dies entspricht rund 4,8 Millionen Tonnen jährlich – ermöglichen. Für den Betrieb ist zunächst Erdgas vorgesehen, das sukzessive durch klimafreundlich erzeugten Wasserstoff ersetzt werden soll.
Infrastruktur und wirtschaftliche Herausforderungen
Die Verfügbarkeit und die Kosten von Wasserstoff bleiben entscheidende Faktoren. Aktuell ist grüner Wasserstoff deutlich teurer als fossile Alternativen, und auch für das Jahr 2030 werden signifikante Preisunterschiede prognostiziert. Um die Versorgung sicherzustellen, baut das Saarland derzeit eine Wasserstoffpipeline an der französischen Grenze, die eine Anbindung an das grenzüberschreitende Netz „mosaHYc“ ermöglichen soll. Ab 2029 ist die Belieferung der Dillinger Hütte geplant, gefolgt vom Anschluss an das deutsche Wasserstoff-Kernnetz in den Jahren 2032/2033. Branchenvertreter fordern zudem international wettbewerbsfähige Energiepreise sowie die Schaffung grüner Leitmärkte, die durch öffentliche Aufträge eine stärkere Nachfrage nach CO2-reduziertem Stahl generieren sollen.
