Österreich plant fundamentale PV-Förderreform ab 2027 mit Fokus auf Speicherung
Österreich richtet die PV-Förderung ab 2027 neu aus: Fokus auf Batteriespeicher und Energiemanagement statt reiner Erzeugung, Ende des First-Come-First-Serve-Prinzips.

Das österreichische Wirtschaftsministerium hat eine grundlegende Reform der Photovoltaik-Förderlandschaft angekündigt, die ab dem Jahr 2027 in Kraft treten soll. Angesichts der durch den PV-Boom verursachten Herausforderungen für die Stromnetze, wie etwa Netzüberlastungen und die Abregelung von Wechselrichtern, erfolgt ein strategischer Kurswechsel. Anstelle einer reinen Massenförderung der Stromerzeugung soll das Fördervolumen künftig gezielt in die Speicherung und intelligente Steuerung von Energie fließen.
Ende des First-Come-First-Serve-Prinzips
Ein wesentlicher Bestandteil der Reform ist die Abkehr vom bisherigen Vergabemodus nach dem Windhundprinzip („First Come, First Serve“). In der Vergangenheit führte dies regelmäßig zu einem zeitkritischen Wettrennen bei der Antragstellung. Künftig soll ein qualitatives Vergabesystem etabliert werden, bei dem Förderanträge erst nach Installation und Rechnungslegung eingereicht werden können, ähnlich dem Modell des Handwerkerbonus.
Fokus auf Speicher und Energiemanagement
Der Schwerpunkt der neuen Förderung liegt auf Batteriespeichern sowie intelligenten Energiemanagementsystemen (EMS) für Haushalte und Betriebe. Während die klassische Förderung kleiner PV-Anlagen auslaufen soll, wird die Nachrüstung bestehender Anlagen mit Speichern in Kombination mit einem EMS gezielt unterstützt. Innovative Ansätze wie gebäudeintegrierte PV, Agri-PV, Parkplatzüberdachungen sowie PV an Lärmschutzwänden bleiben weiterhin förderfähig. Zudem ist ein Bonus für die Nutzung europäischer Wertschöpfung bei zentralen Komponenten vorgesehen, um die heimische und europäische Industrie zu stärken.
Volkswirtschaftliche Bedeutung und nächste Schritte
Eine in Auftrag gegebene Studie unterstreicht das Potenzial: Bis 2030 könnten rund 8 Gigawatt marktorientierte Batteriekapazität sinnvoll in Österreich installiert werden. Dies könnte die Großhandelspreise maßgeblich senken. Der Bundesverband Photovoltaic & Battery Austria (PV&B Austria) begrüßt die angekündigte Speicheroffensive grundsätzlich, fordert jedoch eine zeitnahe Konkretisierung und Umsetzung der Maßnahmen, um den Speicherhochlauf nicht zu gefährden. Neben der Förderung betont der Verband die Notwendigkeit praxistauglicher Rahmenbedingungen für Netzentgelte sowie eine stärkere Integration von Speichern in die Netzentwicklungspläne.